"Die Schweizer Armee im Friedensförderungs - Einsatz im Kosovo – Ein Erfahrungsbericht" (OG Bodensee)

| Datum und Zeit: |
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Mittwoch, 23. August 2006, 19:00 - 21:00 Uhr |
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Hotel Bären, Kreuzlingen (www.zentrum-zum-baeren.ch) |
| Leitung: |
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Maj Reto Maurer |
| Ablauf: |
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Referat von Oberstlt Brunetti, Kdt 12. Kosovo Kontingent,
anschliessend lädt die OGB zum Apéro ein |
Professionelle Arbeit
Stefano Brunetti über die Erfahrungen im Militäreinsatz in Kosovo
Die Schweizer Milizarmee leiste in Kosovo einen Beitrag zur Sicherheit und zum Wiederaufbau, und sie tue das erfolgreich und professionell. So lautet die Bilanz von Stefano Brunetti, der im vergangenen Jahr das 12. Kontingent befehligte.
MARTIN SINZIG
Brunetti, Oberstleutnant im Generalstab und von April bis Oktober 2005 Kontingentskommandant im Camp Casablanca, berichtete am 23. August vor der Offiziersgesellschaft Bodensee in Kreuzlingen von seinen Erfahrungen. Heute ist der Berufsmilitär stellvertretender Chef des Ausbildungszentrums für Auslandeinsätze der Schweizer Armee.

Koordination als Problem
Das gut 200 Männer und Frauen starke Schweizer Kontingent habe vor allem Sicherungsaufgaben wie beispielsweise Checkpoints und Patrouillen neben logistischen Aufgaben. Aber auch nachrichtendienstliche Kapazitäten und ein Heliteam mit zwei Super Pumas gehörten zum Kontingent. Die Armeeangehörigen waren ebenso für die Bewältigung besonderer Situationen wie Demonstrationen im Rahmen der ethnischen Spannungen ausgebildet worden.
Für das 12. Kontingent hatte Brunetti das Motto „einsatzbezogen und einfach“ geprägt. Das Sicherheitsgebot habe vor der Auftragserfüllung Vorrang gehabt. Flexibilität habe in einem Umfeld, wo insgesamt 34 Nationen und auch zahlreiche staatliche wie Nichtregierungsorganisationen tätig sind, eine besondere Bedeutung erhalten. Nicht die Ressourcen seien vielfach das Problem, sondern die Koordination mit anderen Akteuren ausserhalb der militärischen Organisation, erläuterte Brunetti.
Selbsthilfe anregen
Das Schweizer Kontingent erledigt neben Sicherungsaufgaben und logistischen Aufträgen nach Möglichkeit auch andere Aufgaben. Brunetti berichtete von guten Kontakten zu den lokalen Behörden. Sie habe das Schweizer Kontingent bei klaren Projekten.konkreten Wiederaufbauarbeiten unterstützt, und sei es zum Beispiel nur mit der Zuverfügungstellung von Lastwagen beim Strassenbau.
Wichtig sei es, die lokale Bevölkerung zur Selbsthilfe zu erziehen. Dies in einem Land mit zwei Millionen Einwohnern und bei einem Durchschnittsalter von nur 23 Jahren, wo die Wirtschaft am Boden sei, die Armut grassiere und die Energieversorgung problematisch sei. Tradition, vor allem gekennzeichnet durch Familienclans, paare sich mit der Moderne. Ferraris neben einem Pferdefuhrwerk seien keine Seltenheit.
Einen Beitrag leisten
Der Problemkatalog in dem nach bürgerkriegsversehrten Land reiche von der Umweltverschmutzung bis zur organisierten Kriminalität in vielfältigen Formen, schilderte Brunetti. Deshalb gelte es vor allem, bei den jungen Leuten zu wirken, eine Zielsetzung, die das Schweizer Kontingent durch zahlreiche Kontakte zu Schulen verfolgt habe.
Die Erfahrungen im Kosovo seien für die Schweizer Milizsoldaten sehr wertvoll, und ihre Arbeit werde von den Armeen anderer Länder immer wieder als sehr professionell gelobt, zitierte Brunetti einen deutschen General. Die Schweiz müsse auch in Zukunft einen Beitrag zur Friedensförderung leisten, ein Anliegen, das auch Reto Maurer, Präsident der Offiziersgesellschaft Bodensee, bekräftigte.
Die Schweiz habe im Moment aufgrund ihrer Interessenlage den Fokus auf den Balkan gelegt. Andere Einsatzgebiete seien in späterer Zeit jedoch nicht ausgeschlossen. Der auslanderfahrene Berufssoldat drückte vor allem seine Hoffnung aus, dass die jungen Leute im Kosovo nicht in die Kriminalität abglitten. Es brauche aber noch viel Zeit, um das Land zu stabilisieren.

(Bilder: Martin Sinzig)
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